KGV einfach erklärt: Was das Kurs-Gewinn-Verhältnis über eine Aktie verrät
Redaktion Depot Navigator ·
Was ist das KGV?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die bekannteste Bewertungskennzahl der Börse. Es zeigt, wie viele Euro Anleger für einen Euro Gewinn des Unternehmens bezahlen. Ein KGV von 20 bedeutet: Der Aktienkurs entspricht dem Zwanzigfachen des Gewinns, den das Unternehmen je Aktie erwirtschaftet.
So wird das KGV berechnet
Die Formel ist einfach: KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie. Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen: Kostet eine Aktie 100 Euro und verdient das Unternehmen 5 Euro je Aktie, liegt das KGV bei 20. Steigt der Kurs auf 120 Euro, während der Gewinn gleich bleibt, klettert das KGV auf 24. Die Aktie ist also teurer geworden, obwohl sich am Geschäft nichts geändert hat.
Wichtig ist, welcher Gewinn zugrunde liegt. Das historische KGV nutzt den Gewinn des letzten Geschäftsjahres oder der letzten zwölf Monate. Das erwartete KGV rechnet mit den Gewinnschätzungen der Analysten für das laufende oder nächste Jahr. Beide Werte können deutlich auseinanderliegen, vor allem bei Unternehmen, deren Gewinne stark wachsen oder schrumpfen.
Was ist ein hohes und was ein niedriges KGV?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Viele Anleger orientieren sich am langjährigen Durchschnitt großer Aktienindizes, der grob zwischen 15 und 20 liegt. Aussagekräftiger ist aber der Vergleich innerhalb einer Branche. Softwarekonzerne mit hohen Wachstumsraten werden meist mit deutlich höheren KGVs gehandelt als Versorger oder Versicherer, deren Gewinne langsamer, aber gleichmäßiger wachsen.
- Hohes KGV: Der Markt erwartet kräftig steigende Gewinne. Bleiben diese aus, kann die Aktie stark fallen.
- Niedriges KGV: Die Aktie ist im Verhältnis zum Gewinn günstig. Das kann eine Chance sein oder ein Hinweis darauf, dass der Markt mit sinkenden Gewinnen rechnet.
- Kein KGV: Macht ein Unternehmen Verlust, ist das KGV nicht sinnvoll berechenbar. Das betrifft häufig junge Wachstumsfirmen.
Die typischen Denkfehler
Das KGV ist eine Momentaufnahme. Ein einmaliger Sondergewinn, etwa aus dem Verkauf einer Sparte, drückt das KGV künstlich nach unten. Hohe Abschreibungen lassen es dagegen künstlich steigen. Zyklische Branchen wie Chemie, Stahl oder Autobau haben ihr niedrigstes KGV oft genau dann, wenn die Gewinne am Höhepunkt sind, also kurz bevor sie wieder sinken. Deshalb lohnt sich immer der Blick auf die Gewinnentwicklung über mehrere Jahre.
Das KGV auf unseren Aktienseiten
Auf jeder Aktienseite von Depot Navigator steht das aktuelle KGV im Kurs-Cockpit, in der Vergleichstabelle sehen Sie es auch für ähnliche Unternehmen. Ein Blick auf SAP und Microsoft oder auf Allianz und Münchener Rück zeigt, wie unterschiedlich die Bewertung je nach Branche ausfällt. Ergänzend hilft der Free Cashflow, um zu prüfen, ob hinter dem Gewinn auch echtes Geld steckt.
Häufige Fragen
Ist ein niedriges KGV immer gut?
Nein. Ein niedriges KGV kann bedeuten, dass eine Aktie günstig ist. Es kann aber auch zeigen, dass der Markt mit sinkenden Gewinnen rechnet oder dass ein einmaliger Sondergewinn das KGV verzerrt.
Was ist der Unterschied zwischen historischem und erwartetem KGV?
Das historische KGV nutzt den bereits erzielten Gewinn, das erwartete KGV die Gewinnschätzungen der Analysten. Bei schnell wachsenden Unternehmen ist das erwartete KGV meist deutlich niedriger.
Warum haben Technologieaktien oft ein hohes KGV?
Weil Anleger für erwartetes Wachstum bezahlen. Steigen die Gewinne wie erhofft, sinkt das KGV mit der Zeit. Bleibt das Wachstum aus, fällt häufig der Kurs.
Keine Anlageberatung: Die Kennzahl ersetzt keine eigene Prüfung des Unternehmens.
